PNN 21.11.08

 

Standort-Beschluss im Sommer 2009

Landkreis plant 9,6 Millionen Euro für neues Gymnasium ein / Übergangsdomizil ab kommendem Schuljahr

Potsdam-Mittelmark - Im Sommer nächsten Jahres soll der Kreistag über den Standort eines dritten staatlichen Gymnasiums in der Region Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf entscheiden. Das kündigte der zuständige Fachbereichsleiter des Landratsamtes, Thomas Schulz, am Mittwochabend auf der Sitzung des Kreisbildungsausschusses an. Vor dieser Entscheidung sollen noch einmal förmlich mögliche Standortangebote von den drei Bürgermeistern eingeholt werden. Möglich sei aber auch, dass der Landkreis eine eigene Immobilie nutzt, so Schulz. Die Standortentscheidung sei derzeit noch völlig offen. Auch stehe noch nicht fest, ob der Landkreis einen Neubau errichtet oder bereits bestehende Gebäude nutzt. Geplant ist, dass das dritte staatliche Gymnasium zum Schuljahr 2012/2013 in die neuen Räume zieht. Der Landkreis hat für den Neu- oder Ausbau plus Sporthalle 9,6 Millionen Euro eingeplant.

Eröffnet werden soll das neue Gymnasium jedoch bereits zum nächsten Schuljahr mit drei siebten Klassen in einem Übergangsdomizil. Hier ist in der Standortfrage zumindest schon eine Vorentscheidung getroffen worden. „Das staatliche Schulamt hat gefordert, dass das Gymnasium für die Übergangszeit in unmittelbarer Nähe oder unter einem Dach mit einer weiterbildenden Schule eingerrichtet wird“, erklärte Schulz. Nur so könne der Einsatz von Lehrern und die Bereitstellung von Fachkabinetten für die zunächst nur wenigen Klassen effektiv gewährleistet werden, hieß es zur Begründung. Laut Schulz kommen als Standorte für die Übergangslösung somit nur die beiden staatlichen Gymnasien in Kleinmachnow und Teltow oder die Kleinmachnower Maxim-Gorki-Gesamtschule in Betracht.

Freie Räume in der Gesamtschule hatte Kleinmachnows Bürgermeister Wolfgang Blasig (SPD) dem Landkreis bereits offiziell angeboten. Das Weinberg-Gymnasium komme seiner Meinung nach aus Platzgründen nicht in Betracht. Die endgültige Entscheidung zum Übergangsstandort will dass Landratsamt spätestens bis Ende nächster Woche bekannt geben. Vom staatlichen Schulamt werde dann ein Beauftragter ernannt, der das Anwahlverfahren und die Eröffnung des neuen Gymnasiums vorbereiten soll.

Es werde höchste Zeit nun auch über ein Profil des neuen Gymnasiums zu diskutieren, mahnte der Kreistagsabgeordnete Martin Köhler (Grüne) im Bildungsausschuss an. Auch Ausschussvorsitzender Baldur Martin (FBB) forderte ein inhaltliches Konzept. „Dazu sollten sich dann bitte die drei Bürgermeister äußern“, reagierte Fachbereichleiter Schulz. Der Landkreis wolle die drei Kommunen in dieser Frage auf keinen Fall vor vollendete Tatsachen stellen. Rein persönlich könne er sich ein musisch orientiertes Gymnasium vorstellen, aber auch eine sportliche Profilierung sei schon im Gespräch gewesen.

Für den endgültigen Gymnasiumsstandort hatte es in der Vergangenheit bereits eine Reihe von Vorschlägen gegeben (PNN berichteten). Ein Favorit könnte das einstige Siemens-Gelände am Schwarzen Weg in Kleinmachnow sein. In einem der dortigen Mehrgeschosser ist in diesem Jahr bereits das evangelische Gymnasium eröffnet worden, die evangelische Grundschule nutzt einen Neubau nebenan. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Oberstufenzentrum des Landkreises. Befürworter dieser Idee argumentieren, dass am Schwarzen Weg somit ein Bildungsareal entstünde, in dem Sporthalle und andere Einrichtungen gemeinsam genutzt werden können.

Mit Vehemenz hat sich aber auch die Gemeinde Stahnsdorf um das Gymnasium beworben. Ein Argument ist, dass Stahnsdorf derzeit der einzige Partner im Gemeindetrio ist, der keine weiterbildende Schule besitzt. Die Gemeinde kann dem Landkreis zwei Grundstücke zum Neubau des geplanten dritten staatlichen Gymnasiums anbieten: Ein gemeindeeigenes in der Annastraße und ein weiteres in der Heinrich-Zille-Straße, wobei Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) die letzte Variante favorisiert (PNN berichteten). Albers sieht viele Vorteile für den Schulstandort an der Zillestraße: Nah gelegen an der Hauptverkehrsstraße nach Kleinmachnow und Teltow biete das Areal Busverbindungen und Sportplätze, argumentiert er.

Am Mittwochabend war Albers zur Sitzung des Kreisbildungsausschusses nach Beelitz-Heilstätten gefahren, um für Stahnsdorf zu werben. Die Ausschussmitglieder erteilten ihm jedoch mehrheitlich kein Rederecht. Begründung: Die Standortfrage sei so sensibel, dass alle drei Bürgermeister gemeinsam gehört werden sollten.