Potsdamer Neueste Nachrichten 07.06.08

 


Dealen um Schulstandort

SPD will Gymnasium in der Zille-Straße / Tauschgeschäft mit dem Bund?

Stahnsdorf - Die deutliche Position des Bundes, ihre Liegenschaft an der Heinrich-Zille-Straße in Stahnsdorf komplett als Wohnstandort zu entwickeln und für ein Gymnasium keinen Platz zu lassen, hat zumindest die Sozialdemokraten in der Region herausgefordert. Diese favorisieren den Standort weiterhin für die Ansiedlung eines Gymnasiums, das der Landkreis in der Region errichten will.

„Das Planungsrecht obliegt der Gemeinde“, so Stahnsdorfs SPD-Fraktionschef Dietmar Otto. Zwar sei im Vorentwurf des Stahnsdorfer Flächennutzungsplans (FNP) das Areal als Wohnbauland definiert. Darauf beruft sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die für das Gelände bereits Kaufinteressenten hat (PNN berichteten). Doch könne die Gemeinde ohne Weiteres im gegenwärtigen FNP-Planungsstadium für Teilbereiche eine andere Nutzung definieren, so SPD-Bürgermeisterkandidatin Ruth Barthels. Notwendig ist dafür eine Mehrheit in der Gemeindevertretung.

Auch ein Grundstückstausch käme in Betracht, so die SPD. Bei der Bima verweist man auf ein 2,5 Hektar großes Grundstück an der Annastraße, das Stahnsdorf zu Vorzugskonditionen für den Bau einer sozialen Einrichtung – wie einer Schule – überlassen wurde. Wird diese Auflage in den nächsten vier Jahren nicht erfüllt, droht der Gemeinde eine Rückzahlung von mehr als 1,5 Millionen Euro. Dies ist u.a. ein Grund, weshalb die Stahnsdorfer CDU für die Annastraße als Schulstandort plädiert. Die SPD indes könnte sich vorstellen, dem Bund das einst rabattierte Grundstück anzubieten und im Gegenzug eine Fläche an der Zille-Straße zu bekommen. „An der Annastraße hat der Bund viel bessere Vermarktungschancen“ behauptet Otto. Denn die Flächen seien bereits erschlossen. Ob der Bund einen Tausch genauso lukrativ sieht, ist bislang reine Spekulation: Bis jetzt hat noch niemand mit den Bima-Maklern gesprochen. Diese bewerten das ehemalige Kasernengelände als „hervorragend zur Entwicklung eines Wohnstandortes“. Unschwer erkennt Teltows SPD-Chef Frank Fromm, dass es „viel Arbeit und Verhandlungsgeschicks auf höheren Politikebenen“ bedarf, um einen Flächentausch zu realisieren.

Trotz des eifrigen Engagements für die Zille-Straße betont Barthels, dass es eine fundierte Prüfung aller möglichen Standorte geben soll. Doch schon jetzt warnt sie vor dem Konfliktpotenzial, das sich durch die heranrückende Wohnbebauung an den optionalen Schul-Standort in der Annastraße ergeben werde. Zwar wäre auch in der Zille-Straße das Gymnasium in Nachbarschaft einer künftigen Wohnsiedlung, doch ließen sich dort noch ausreichend Puffer- und Abstandszonen planen und herstellen.

Währenddessen haben am Donnerstag Kleinmachnows Gemeindevertreter ihren Bürgermeister beauftragt, sich bei der Standortsuche für eine „zentrale und ortsnahe“ Lösung einzusetzen. In Reihen der CDU-Fraktion verhehlt man nicht, dass man die Lösung gern auf dem Seeberg oder am Schwarzen Weg sehen will. Der SPD-Widerhall von Jens Klocksin: „Eine Region mit 50 000 Einwohnern braucht eine vernünftige Streuung und einen Interessenausgleich – auch bei weiterführenden Schulen.“ Bürgermeister Wolfgang Blasig warnte davor, das Thema weiter „im Wahlkampf zu missbrauchen“. Diskutiere man ernsthaft über den Bedarf und ohne ideologische Scheuklappen, „kommt man auf vernünftige Lösungen.“ Der Bedarf wird inzwischen so groß eingeschätzt, dass ein vierzügiges Gymnasium gebraucht werde. Peter Könnicke