Potsdam - Mittelmark

06.02.2004

 

 



Von den Ereignissen überholt

Eigenherd-Schule fehlte das Geld für Kopien: Elternbrief wollte vor sexueller Belästigung warnen. Dann wurde die Sorge zur Realität

Von Peter Könnicke

Kleinmachnow. Die Polizei ermittelt zu einem Fall sexueller Belästigung, der sich am 26. Januar im Umfeld der Kleinmachnower Eigenherd-Grundschule ereignet hat. Auf dem Schulweg soll ein Exhibitionist mehrere Schülerinnen belästigt haben. Zudem soll sich am gleichen Tag – nach bislang unbestätigten Angaben – eine verdächtige Person auf dem Schulgelände und im Schulhaus aufgehalten haben.

„Die Ermittlungen laufen noch“, bestätigte Polizeisprecherin Angelika Christen gestern gegenüber den PNN. Der Einsatz von Zivilpolizisten nahe der Schule führte zunächst zu keinem Erfolg. Derzeit werde einer Reihe von Bürgerhinweisen nachgegangen.

Währenddessen erheben die Elternvertretung und die Wählerinitiative „WIR in Kleinmachnow“ Vorwürfe gegen die Schulleitung. Besorgt über Vorfälle sexueller Belästigungen nahe einer Grundschule in Wannsee und Potsdam wandte sich der Schulelternrat bereits Anfang Januar mit einem Brief an die Eltern. „Wir wollten nicht alarmieren, sondern lediglich sensibilisieren“, betont Schulelternsprecher Karl Mollenhauer gegenüber den PNN. „Alle Eltern sollten durch diesen Hinweis Gelegenheit bekommen, noch einmal über einen möglichst sicheren Weg ihres Kindes und dessen Verhalten auf dem Schulweg nachzudenken“, hieß es in den Schreiben. Dieses kam allerdings zunächst nicht bei den Eltern an. Schulleiter Bernd Bültermann sah sich nicht in der Lage, den Brief zu vervielfältigen. Auch der Förderverein der Eigenherd-Schule vermochte nicht zu helfen. Drei Wochen blieb der Brief unkopiert. Erst als es zu den exhibitionistischen Handlungen kam, wurde das Schreiben vervielfältigt und an die 550 Eltern verschickt. Die Kosten übernahm die Gemeindeverwaltung.

„Wir mussten erst von den Ereignissen überholt werden, bevor gehandelt wurde“, beklagt Mollenhauer. Es sei nicht das erste Mal, das eine vertrauensvolle Zusammenarbeit „bürokratisch ausgebremst“ wurde, bedauert der Schulelternsprecher. Dabei seien die Rechte der Elternvertretung im brandenburgischen Schulgesetz verbrieft, wonach das Gremium mit Sachmitteln auszustatten ist. Auch die Position des Fördervereins könne Mollenhauer nicht nachvollziehen. Einerseits seien jüngst 5000 Euro für eine Fechtausrüstung ausgegeben worden. Andererseits scheitere die immer wieder zugesagte unbürokratische Hilfe an der Übernahme von Kopierkosten.

„Es ist für uns nicht akzeptabel, dass Herr Bültermann systematisch und bewusst gegen geltende Gesetze verstößt und die Elternvertretung behindert“, moniert auch die Wählergruppe „WIR“, die zwei Gemeindevertreter stellt und ihre Wähler vor allem in der Elternschaft der Eigenherd-Schule hat. Dass der letztlich versandte Rundbrief der Elternvertretung nicht mehr mit dem ursprünglichen Datum vom 8. Januar gekennzeichnet war, ist für WIR der Versuch der Schulleitung, die dreiwöchige Verzögerung „zu verbergen“.

Schulleiter Bültermann weist den Vorwurf vehement zurück, er unterdrücke die Arbeit der Elternvertretung. Selbstkritisch räumt er ein, die „Situation unterschätzt zu haben, so dass das Anliegen des Briefes eine bedauerliche Brisanz“ bekam. Um Informationen der Elternvertretung in einem derart großen Umfang zu vervielfältigen, reiche das Kopierkontingent der Schule jedoch nicht aus. Jährlich stünden 5000 Freikopien zur Verfügung – für Arbeitsblätter, Unterrichtsmaterialien und Informationen. Der Verweis auf verbriefte Rechte der Elternvertretung sei bislang nie nötig gewesen. „Jetzt wird es als Unterlassung dargestellt“, bedauert Bültermann. In seiner 14-jährigen Amtszeit als Schuldirektor habe er mit den Elternvertretern „immer kollektive Ergebnisse“ erzielt. Den Verzicht auf die Datumsangabe in den Rundschreiben nennt Bültermann keine bewusste Manipulation, sondern eine „Schlappe, die ich problematisch sehen muss“.

Als eine erste Konsequenz aus den Vorfällen Ende Januar werden die Haupt- und Nebeneingänge der Eigenherd-Schule während der Unterrichtszeit verschlossen. Über eine elektronische Schließanlage wird nachgedacht. Um Eltern künftig besser informieren zu können, will Bültermann bei der Gemeinde, die für die Grundschule zuständig ist, eine Erhöhung des Sachmittelbudgets beantragen.