Potsdam - Mittelmark

31.01.2004

 

 



Schein und Sein

Streit um „Palazzo Prozzo“ oder eine ganz normale Schulsporthalle

Kleinmachnow. FDP-Gemeindevertreterin Kornelia Kimpfel nennt es einen „Palazzo Prozzo“. Für WIR-Vertreter John Banhart ist es ein „zu großes Projekt am falschen Ort“. SPD-Fraktionschef Bernd Bültermann hingegen hält es für „eine ganze normale Schulsporthalle“. Der in diesem Jahr geplante Bau einer Zweifeld-Halle für die Eigenherd-Schule sorgt für reichlich Diskussionsstoff und spaltet die Gemeindevertretung.

Auslöser sind – vom Hauptausschuss der letzten Gemeindevertretung als letzter Akt genehmigte – Mehrkosten von 300 000 Euro. Die lassen das Gesamtvolumen für das Vorhaben auf über 2,5 Millionen Euro wachsen. Im jetzigen Hauptausschuss bemängelte die FDP-Abgeordnete Kimpfel nicht nur die fehlende Einbeziehung des Fachgremiums für Bauen, sie stellte auch die Dimensionen der Sporthalle in Frage: „Muss es gleich ein Bau mit 50 Tiefgaragenplätzen, einer Bühne und 199 Sitzplätzen sein?“

Bürgermeister Wolfgang Blasig empfahl, die strittige Frage auch im Schulausschuss zu klären und zu beraten, was gebaut werden soll. Noch sei alles offen. Dies wiederum nahmen wiedergewählte Gemeindevertreter wie Viktoria Brammer (PRO) und Sebastian Singer erstaunt zur Kenntnis. „Die Rahmenbedingungen waren klar, die Angebote sondiert“, betonte letzterer. „Ich verstehe nicht, was geändert werden soll“, schüttelte Brammer den Kopf. Auch Eigenherd-Schulleiter Bültermann verteidigte am Donnerstag im Schulausschuss das geplante Vorhaben. An dessen Planung waren Schulen und Vereine beteiligt und selten habe Bültermann in dieser Gemeinde „eine so hochwertige Vergabe gesehen“. Wie bei jedem Sporthallenbau seien Stellplätze nachzuweisen. Dies mit einer Tiefgarage zu tun, um nicht das sensible Umfeld des Bannwaldes zu beeinträchtigen, findet Bültermann nahe zu genial. Auch die Anzahl von 191 Sitzplätzen hält er für einen Ort wir Kleinmachnow mit seinen vielen Sportvereinen für angemessen. Das wiederum nährt nur den „Verdacht“ von Neu-Gemeindevertreter Banhart, dass „im Windschatten einer Schulsporthalle ein viel größeres Projekt – eine Veransaltungshalle – realisiert werden soll“. Doch dies sei in einem Wohngebiet und mitten im Bannwald deplatziert.

Dass die Eigenherd-Schule eine neue Turnhalle benötigt, ist für Kornelia Kimpfel aus der CDU/FDP-Fraktion zweifelsfrei. Doch fordert sie die „Rückführung des Baus auf eine verträgliche Größe“ und das Einhalten des ursprünglichen Kostenrahmens von 2,3 Millionen Euro.

Die Mitglieder im Schulausschuss wollen sich während ihrer nächsten Sitzung intensiv mit dem Turnhallen-Bau beschäftigen. Der Konflikt ist klar skizziert: „Wir brauchen keine Turnhalle, die nach 14 Uhr leer steht. Sie muss auch abends für den Breitensport zu nutzen sein“, so der PRO-Sachkundige Hans-Joachim Voigt stellvertretend für die Befürworter der aktuellen Planung. „Dann reden wir aber nicht mehr von einer Schulsporthalle“, meint Banhart für die kritischen Bedenkenträger. P. Könnicke