Märkische Allgemeine 07.06.08

 

BILDUNG: Zille-Straße rückt ins Zentrum

Standort für Gymnasium in Stahnsdorf umstritten

STAHNSDORF - Kein Zweifel: Die Frage nach dem richtigen Standort für das dritte staatliche Gymnasium der Region Teltow in Stahnsdorf ist zum zentralen Thema des Wahlkampfes um das Bürgermeisteramt geworden. Nachdem sich vor wenigen Wochen die Kreisverwaltung zum Bau der weiterführenden Schule positioniert hat, tobt der Streit, ob eine Fläche an der Annastraße oder an der Zille-Straße favorisiert werden soll.

Die SPD-Kandidatin für die Stichwahl am 22. Juni, Ruth Barthels, scharte gestern regionale SPD-Prominenz um sich. Man war sich einig: „Wir sollten alle Varianten seriös prüfen und nicht voreilig entscheiden“, sagte Barthels in Anspielung auf die Festlegung der örtlichen CDU auf die Annastraße.

Für die ehemaligen Militärflächen an der Zille-Straße spricht aus Sicht der Sozialdemokraten einiges. So sei die Erreichbarkeit für Schüler aus Kleinmachnow und Teltow dort eher gegeben, zwei Buslinien würden die Schule anbinden. Entscheidend sei aber vor allem, dass die zwingend erforderliche Sporthalle dort besser platziert wäre. „Es gäbe weniger Konflikte mit Anwohnern, weil die Wohnbebauung nicht so nah an den Standort heranrückt, wie dies bei der Annastraße der Fall wäre“, so Barthels.

 

Bundesanstalt kein Hindernis

Dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die das Zille-Grundstück vermarktet, jüngst erklärte, dort am liebsten Wohnungen bauen zu wollen, sei kein Hindernis. „Die Gemeinde hat das Planungsrecht.“ Laut Barthels habe Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zugesagt, bei den Verhandlungen mit der Bima zu helfen. Bereits am Mittwoch war hoher Besuch an der Zille-Straße eingetroffen. Nicht ganz ohne Stolz präsentierte Michael Grunwaldt die dreieinhalb Hektar große Sportanlage, die dort seit 1998 auf einem ehemaligen Armeesportplatz entstanden ist. Erst 2003 wurde ein hochwertiger Kunstrasenplatz eröffnet. 2200 Mitglieder zähle der Regionale Sportverein, erläutert der Vorsitzende, immerhin der „zweitgrößte Verein im ganzen Land“. „Ein sehr schöner Platz, schöner alter Baumbestand“, parierte Volker Kauder, Fraktionschef der CDU/CSU im Bundestag.

Mauerreste markieren die Ruine eines alten Schwimmbads. Dort könnte ein dringend benötigter Neubau entstehen, der neben sanitären Anlagen und Umkleidekabinen auch Stau- und Aufenthaltsräume für die beiden Platzwarte beinhalten sollte, erläuterte Grunwaldt dem Spitzenpolitiker.

Ein multifunktionales Gebäude eben, dass der Vereins-chef auf Nachfrage mit etwa 1,8 Millionen Euro veranschlagt. Dann hätte man endlich auch die benötigten fünf bis sechs Duschanlagen und entsprechenden Umkleidekabinen für die vielen täglich trainierenden Sportler. Doch finanzielle Hilfe, zumindest vom Bund, scheint nicht in Sicht. Zwar wurden etwa aus dem „goldenen Plan Ost“ Rasenplatz und Laufbahn mitfinanziert, doch eine „Aufstockung der Mittel“ konnte der Fraktionschef, der auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Katharina Reiche (CDU) die Region besuchte, „nicht in Aussicht stellen“.

Sportchef sieht Bedarf für Schule

Der mögliche Bau eines Gymnasiums mit Sporthalle an der Zille-Straße trifft bei Grunwaldt auf offene Ohren. Für ein Profil Sport bei der Etablierung der weiterführenden Schule sieht er „auf jeden Fall Bedarf“. (Von Konstanze Wild und Jürgen Stich)